Individualentwicklung oder WordPress: was passt zu Ihrem Projekt?
WordPress passt, wenn Redaktion und Startgeschwindigkeit zählen und das Budget eng ist. Eine Individualentwicklung passt, wenn Ladezeit, Sicherheit oder eigene Geschäftslogik den Ausschlag geben und Sie über fünf Jahre rechnen. Der Preis am Starttag entscheidet das selten. Die laufenden Kosten und die Wartungsstunden tun es.
Laut W3Techs läuft WordPress auf 40,8 Prozent aller Websites und hält 59,0 Prozent Anteil unter den Seiten mit erkennbarem CMS (Stand 14.08.2026). Diese Zahl wird gern als Argument benutzt, in beide Richtungen. Sie belegt aber nur eine niedrige Einstiegshürde, keine Eignung für Ihr Vorhaben.
Eine Offenlegung vorweg: wir bauen beides. Wir liefern WordPress-Projekte genauso wie individuell entwickelte Websites. An einer Abrechnung mit WordPress haben wir also kein Interesse. Was folgt, sind Messwerte, öffentliche Listenpreise und die Kriterien, nach denen wir in der Erstberatung selbst entscheiden.
Was unterscheidet WordPress technisch von einer Eigenentwicklung?
WordPress ist ein PHP-Monolith mit Datenbank: jeder Seitenaufruf löst Programmlogik und Datenbankabfragen aus, Funktionen kommen über Plugins hinzu. Eine Eigenentwicklung erzeugt die Seiten beim Build und liefert fertiges HTML aus dem CDN. Der Unterschied liegt im Zeitpunkt der Arbeit, nicht in der Qualität des Ergebnisses.
WordPress: das Schweizer Taschenmesser
Sie installieren ein Theme, ergänzen Plugins, pflegen Inhalte ein und sind live. Für vieles gibt es eine fertige Erweiterung, und dafür braucht es wenig technisches Wissen. Der Preis dafür ist die Abhängigkeit: jede Erweiterung bringt fremden Code, eigene Aktualisierungszyklen und ein eigenes Risiko mit.
Individualentwicklung: der Maßanzug
Die Seite entsteht auf Basis eines modernen Frameworks, üblicherweise Astro, Next.js, Nuxt oder SvelteKit. Es läuft nur Code, den das Projekt tatsächlich braucht. Datenmodell und Oberfläche folgen Ihren Prozessen. Der Einstieg dauert länger und kostet mehr Vorarbeit, das Ergebnis ist dafür schmaler und leichter zu betreiben.
Wie viel schneller ist eine individuell entwickelte Website?
In unseren Projekten liegt der Abstand bei Faktor 3 bis 10 auf den Ladezeitkennzahlen. Eine statisch ausgelieferte Seite erreicht 20 bis 80 ms Time to First Byte und 95 bis 100 Lighthouse-Punkte, eine typische WordPress-Installation ohne Optimierung 200 bis 800 ms und 40 bis 70 Punkte.
| Messgröße | WordPress (typisch) | Astro oder Next.js (statisch) |
|---|---|---|
| Time to First Byte | 200–800 ms | 20–80 ms |
| Lighthouse-Performance | 40–70 ohne Optimierung | 95–100 |
| HTTP-Anfragen je Seite | 20–30 | 5–10 |
| Seitengewicht | 3–5 MB | 200–500 KB |
| Largest Contentful Paint | 3,0–5,0 s | 0,8–1,5 s |
Diese Spannen sind ehrlich als Erfahrungswerte zu lesen. Eine repräsentative Vergleichsstudie deutscher Websites nach CMS gibt es nicht, und wer Ihnen eine präsentiert, hat sie meistens selbst finanziert. Belastbar sind dagegen die Wirkungsmessungen zur Ladezeit.
Die von Google beauftragte Deloitte-Studie Milliseconds Make Millions hat über vier Wochen Mobildaten von Handels-, Reise- und Luxusmarken in Europa und den USA ausgewertet. Ergebnis: 0,1 Sekunden schnellere mobile Ladezeit hoben die Conversion im Einzelhandel um 8,4 Prozent und im Reisesegment um 10,1 Prozent, der durchschnittliche Bestellwert im Handel stieg um 9,2 Prozent. Vodafone hat den Zusammenhang in einer von Google veröffentlichten Fallstudie nachgemessen: 31 Prozent besserer LCP führten zu 8 Prozent mehr Verkäufen.
Caching-Plugins und ein CDN heben WordPress spürbar an, meist auf 70 bis 85 Lighthouse-Punkte. Sie behandeln allerdings das Symptom. Die Architektur bleibt dieselbe, und jedes weitere Plugin schiebt den Wert wieder nach unten.
Wie sicher ist WordPress im Vergleich zur Eigenentwicklung?
Der WordPress-Kern ist solide gepflegt, die Angriffsfläche entsteht über Erweiterungen. Für 2025 zählt Patchstack 11.334 neue Schwachstellen im Ökosystem, 42 Prozent mehr als im Vorjahr. 91 Prozent stammen aus Plugins, 9 Prozent aus Themes, sechs aus dem Kern selbst, alle sechs mit niedriger Priorität.
Zwei weitere Zahlen aus dem State of WordPress Security in 2026 (veröffentlicht am 25.02.2026) sind für die Betriebsplanung entscheidend. Erstens: bei 46 Prozent der Schwachstellen lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung kein Patch vor. Ein Update-Automatismus hilft in diesen Fällen also nicht. Zweitens: 1.966 Meldungen, 17 Prozent aller Fälle, erreichten eine hohe Schwere, und diese Gruppe hat sich gegenüber dem Vorjahr um 113 Prozent vergrößert.
Eine statisch ausgelieferte Eigenentwicklung stellt die Frage anders. Es gibt kein öffentlich erreichbares Administrationsmodul auf der Website, keine offene Datenbankverbindung Richtung Besucher und keinen fremden Erweiterungscode, der auf dem Server ausgeführt wird. Übrig bleiben zwei überschaubare Flächen: das Framework und die Hosting-Ebene.
Was kostet WordPress über drei und fünf Jahre wirklich?
Der Projektpreis unterscheidet sich bei uns nicht nach CMS. Eine Broschürenseite kostet 800 bis 2.100 EUR, eine Unternehmenswebsite 2.100 bis 3.900 EUR, eine Webanwendung 3.900 bis 13.000 EUR. Der Unterschied zwischen den beiden Wegen entsteht im Betrieb: Hosting, Lizenzen und Wartungsstunden.
Alle Beträge sind netto und stammen aus unserer veröffentlichten Preisliste. Die Liste wird in Forint geführt, umgerechnet mit 385 HUF je Euro. Der Kurs ist ein Richtwert für die Budgetplanung, kein Tageskurs. Rechnungen stellen wir in Euro zum Mittelkurs der Ungarischen Nationalbank am Rechnungsdatum. Die Herleitung der einzelnen Positionen steht im Leitfaden zu Website-Kosten 2026.
| Kostenposten | WordPress | Individualentwicklung |
|---|---|---|
| Broschürenseite, Projektpreis | 800 – 2.100 EUR | 800 – 2.100 EUR |
| Unternehmenswebsite, Projektpreis | 2.100 – 3.900 EUR | 2.100 – 3.900 EUR |
| Hosting je Jahr | WP Engine Startup ab 360 USD, Growth ab 1.308 USD | 0 – 360 EUR im CDN-Tarif |
| Lizenzen je Jahr | WPML 99 EUR, WP Rocket 49 EUR, weitere je nach Umfang | entfällt |
| Wartungsbudget je Jahr | 15–25 % des Projektwerts | 15–25 % des Projektwerts |
| Wartungsaufwand je Monat | 2–8 Stunden | 1–3 Stunden |
Die Hosting-Zahlen sind Listenpreise von WP Engine bei Jahresbindung, abgerufen am 14.08.2026: Startup 30 USD je Monat für eine Seite und 25.000 Besuche, Growth 109 USD für zehn Seiten und 100.000 Besuche. Die Lizenzbeträge sind die aktuellen Listenpreise von WPML (Multilingual CMS, 99 EUR im Jahr) und WP Rocket (Single, 49 EUR im Jahr). Zwei Plugins sind für eine mehrsprachige Unternehmensseite die Untergrenze, nicht der Normalfall.
Was passiert bei Lastspitzen?
Statische Auslieferung skaliert ohne Zutun, weil das CDN fertige Dateien ausliefert und kein Server rechnet. WordPress skaliert über Geld und Architektur: größere Pakete, eine Caching-Schicht mit Redis oder Varnish, Datenbankreplikation und ein Load Balancer. Jeder Seitenaufruf bleibt trotzdem ein PHP-Vorgang.
Das wird konkret, wenn eine Messe, eine Pressemeldung oder eine Fernsehsendung Ihnen an einem Nachmittag das Zwanzigfache der üblichen Last bringt. Bei WordPress ist die Frage dann, ob das Caching greift und ob das gebuchte Besuchskontingent reicht. Bei einer statisch ausgelieferten Seite ist es keine Frage.
Welche Variante ist besser für die Suchmaschine?
Bei den Inhalten nehmen sich beide nichts, bei der Technik nicht. Yoast und Rank Math decken Sitemaps, Metadaten und strukturierte Daten zuverlässig ab. Der Nachteil von WordPress liegt in den Core Web Vitals, und die sind laut Google Bestandteil der Rankingsysteme.
Google formuliert das in der Dokumentation zur Page Experience knapp: Core Web Vitals werden von den Rankingsystemen verwendet. Damit wird die Ladezeit zu einem Faktor, den Sie mit besseren Texten nicht ausgleichen können.
Bei einer Eigenentwicklung ist Suchmaschinenarbeit Teil der Umsetzung: vollständige Kontrolle über die HTML-Struktur, JSON-LD nach schema.org genau dort, wo es hingehört, eine URL-Struktur nach Ihrer Informationsarchitektur, und die Wahl zwischen serverseitigem Rendering und Build-Zeit-Erzeugung pro Seitentyp. Bei WordPress arbeiten Sie an denselben Punkten gegen die Vorgaben von Theme und Plugins.
Wie viel Wartung fällt pro Monat an?
Nach unserer Erfahrung 2 bis 8 Stunden im Monat bei WordPress und 1 bis 3 Stunden bei einer Eigenentwicklung. Der Unterschied entsteht weniger durch die Updates selbst als durch die Kompatibilitätstests danach: 20 bis 50 Erweiterungen mit eigenen Veröffentlichungszyklen erzeugen zwangsläufig Reibung.
| Tätigkeit | WordPress | Individualentwicklung |
|---|---|---|
| Kern- oder Framework-Update | wöchentlich bis monatlich | quartalsweise |
| Plugin-Updates | wöchentlich, häufig mit Regressionstest | entfällt |
| Sicherheitspatches | kurzfristige Reaktion nötig | selten, kleine Angriffsfläche |
| Datenbankpflege | regelmäßige Optimierung | entfällt oder minimal |
| PHP-Versionswechsel | kann Kompatibilität brechen | entfällt |
| Aufwand je Monat | 2–8 Stunden | 1–3 Stunden |
Rechnen Sie das in Geld um, bevor Sie entscheiden. Fünf Stunden Unterschied im Monat sind über fünf Jahre 300 Stunden, und das ist in jeder Kalkulation mehr als der Abstand der beiden Projektpreise.
Wer pflegt die Inhalte nach dem Livegang?
Bei WordPress Ihr eigenes Team, ohne Entwickler, in einer Oberfläche, die viele Redakteure schon kennen. Bei einer Eigenentwicklung hängt es davon ab, was im Angebot steht: Markdown-Dateien im Repository für ein technisches Team, ein Headless CMS für alle anderen. Wer diesen Punkt überspringt, bezahlt ihn später.
Das ist der eine Bereich, in dem WordPress ohne Umschweife vorn liegt. Der Block-Editor ist ausgereift, jede Marketingabteilung findet sich zurecht, und für Sonderfälle gibt es eine Erweiterung. Wer täglich publiziert und keine Entwicklerkapazität dafür binden will, bekommt hier den kürzesten Weg von der Idee zur veröffentlichten Seite.
Bei einer Eigenentwicklung müssen Sie diese Bequemlichkeit einkaufen. Ein Headless CMS kostet Konfigurationsaufwand im Projekt und typischerweise eine laufende Gebühr oder den Betrieb einer eigenen Instanz. Dafür bleibt die Redaktionsoberfläche vom öffentlichen Teil der Website getrennt, was gleichzeitig die Angriffsfläche verkleinert. Unsere Empfehlung im Erstgespräch richtet sich fast immer nach der Publikationsfrequenz: unter zwei Beiträgen im Monat lohnt sich kein eigenes Redaktionssystem, darüber schon.
Welche rechtlichen Anforderungen treffen deutsche Websites 2026?
Drei Punkte betreffen beide Wege gleichermaßen, lassen sich aber unterschiedlich gut belegen: der Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO, die Barrierefreiheit nach dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz und die Frage, wo die Daten liegen. Die Plattformwahl entscheidet nicht über die Pflicht, wohl aber über den Nachweisaufwand.
Ein Auftragsverarbeitungsvertrag verlangt eine vollständige Liste der Unterauftragsverarbeiter. Bei einer schlanken Eigenentwicklung sind das meist zwei oder drei Positionen. Bei einer gewachsenen WordPress-Installation müssen Sie jedes Plugin daraufhin prüfen, ob es Daten an Dritte überträgt, und diese Prüfung nach jedem Update wiederholen. Das ist machbar, kostet aber Zeit, die selten eingeplant wird.
Beim BFSG nennt § 1 Absatz 3 die Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr ausdrücklich, maßgeblich ist der 28.06.2025. Für Produkte, die vorher rechtmäßig im Einsatz waren, läuft nach § 38 eine Übergangsfrist bis zum 27.06.2030. Grundlage ist die Richtlinie (EU) 2019/882. Praktisch heißt das: Kontraste, Tastaturbedienbarkeit und Formularbeschriftungen müssen stimmen. In einem eigenen Frontend korrigieren Sie das im Quelltext. In einem gekauften Theme mit Page Builder korrigieren Sie es gegen fremden Code, und beim nächsten Theme-Update erneut.
Zum Hosting eine Zahl, die im deutschen Vertrieb regelmäßig unterschätzt wird: nach dem Bitkom Cloud Report 2026 (603 befragte Unternehmen ab 20 Beschäftigten, repräsentativ) halten 98 Prozent der deutschen Unternehmen die Herkunft des Cloud-Anbieters für relevant, 91 Prozent würden einen deutschen und 68 Prozent einen EU-Anbieter bevorzugen. Wenn Ihre Kunden so ticken, ist die Hosting-Region ein Vertriebsargument und keine Randnotiz.
Wem gehört das Ergebnis: Quellcode, Vertragsart und Abhängigkeiten?
Bei uns gehört der Quellcode nach der Abnahme dem Auftraggeber, einschließlich Repository-Zugang. Das ist branchenweit keine Selbstverständlichkeit, lassen Sie es sich also vor der Unterschrift schriftlich geben. Über den Umfang der Gewährleistung entscheidet davon unabhängig die Vertragsart.
Ein Werkvertrag verpflichtet nach § 631 BGB zur Herstellung des versprochenen Werkes und endet mit Abnahme und Gewährleistung. Ein Dienstvertrag nach § 611 BGB schuldet dagegen nur die Leistung der zugesagten Dienste, ohne geschuldetes Ergebnis. Bei einem Festpreisprojekt mit definiertem Umfang ist der Werkvertrag der Normalfall. Fehlt die Ergebnisbeschreibung, landen Sie im Zweifel beim Dienstvertrag, und dann diskutieren Sie am Ende über Stunden statt über eine fertige Website.
Die Abhängigkeiten unterscheiden sich stärker als die Rechtslage. WordPress steht unter der GPL, der Code ist offen, und trotzdem hängt Ihre Seite an den Veröffentlichungszyklen von Theme- und Plugin-Anbietern, die Sie nicht steuern. Bei einem Page Builder kommt hinzu, dass die Inhalte in builderspezifischem Markup abgelegt werden: ein Wechsel bedeutet dann, jede Seite neu aufzubauen. Bei einem gemieteten Baukasten endet mit der Kündigung die Verfügbarkeit. Eine Eigenentwicklung verlagert die Abhängigkeit auf das Framework, und das ist die einzige Variante, bei der Sie den Zeitpunkt eines Wechsels selbst bestimmen.
Gibt es einen Mittelweg zwischen WordPress und Eigenentwicklung?
Ja, und für die meisten Unternehmen ist er die eigentliche Antwort. Die Wahl ist seit einigen Jahren nicht mehr binär: Headless CMS, statische Generatoren und visuelle Baukästen decken jeweils einen Teil des Spektrums ab, ohne alle Nachteile des jeweils anderen Weges zu erben.
Headless CMS
Strapi, Payload und Sanity trennen Redaktion und Auslieferung. Die Redaktion arbeitet in einer verständlichen Oberfläche, die Inhalte gehen per API heraus, das Frontend bleibt Ihres. Wann sich das rechnet und was es an Betrieb bedeutet, steht im Leitfaden zu Headless CMS.
Statische Generatoren
Astro, Next.js, Nuxt und SvelteKit erzeugen die Seiten beim Build. Für Inhalte, die sich täglich statt sekündlich ändern, ist das der günstigste Betriebsmodus, den es gibt. Redaktionell arbeiten Sie dabei entweder in Markdown-Dateien im Repository oder gegen ein Headless CMS.
Baukästen
Webflow und Framer liefern visuelle Bearbeitung bei sauberem Code und eignen sich für Marketingseiten ohne eigene Geschäftslogik. Die Grenze ist erreicht, sobald Rollen, Berechnungen oder eine Anbindung an Ihr ERP dazukommen. Und Sie mieten die Plattform, statt sie zu besitzen.
Wann gewinnt welche Variante?
Kurz gefasst: WordPress gewinnt bei redaktionsgetriebenen Seiten mit engem Budget und kurzem Planungshorizont. Die Eigenentwicklung gewinnt, sobald Ladezeit, Sicherheit oder eigene Geschäftslogik zählen und Sie über fünf Jahre denken. Das Headless-Modell gewinnt, wenn beides gleichzeitig gefordert ist.
| Kriterium | WordPress | Individualentwicklung |
|---|---|---|
| Ladezeit | mittel (40–85 Lighthouse) | sehr gut (95–100) |
| Angriffsfläche | groß, Plugin-getrieben | klein, Framework und Hosting |
| Projektpreis | 800 – 3.900 EUR | 800 – 3.900 EUR |
| Laufende Lizenzen | WPML, Caching, weitere | keine |
| Skalierung | aufwendig und teuer | über das CDN, ohne Zusatzkosten |
| Suchmaschine | gut mit Plugins | sehr gut, Core Web Vitals nativ |
| Wartung je Monat | 2–8 Stunden | 1–3 Stunden |
| Redaktion | eingebaut | Headless CMS erforderlich |
| Einarbeitung im Team | gering | höher |
| Nachweis bei DSGVO und BFSG | je Plugin zu prüfen | im eigenen Quelltext |
WordPress ist die richtige Wahl, wenn
- Inhalte im Mittelpunkt stehen und täglich redaktionell gepflegt werden;
- das Budget eng ist und der Start in zwei bis vier Wochen erfolgen soll;
- ein nicht technisches Team ohne Entwicklerunterstützung publizieren muss;
- ein Shop mit WooCommerce den Bedarf vollständig abdeckt;
- die Seite ohnehin in zwei bis drei Jahren neu gebaut wird.
Die Eigenentwicklung ist die richtige Wahl, wenn
- die Ladezeit direkt auf Umsatz wirkt, etwa im Handel oder bei einer SaaS-Anmeldestrecke;
- Lastspitzen wahrscheinlich oder schwer vorhersagbar sind;
- eigene Geschäftslogik dazugehört, etwa Konfiguratoren, Kalkulatoren oder ein Kundenportal;
- Sicherheit und Nachweisbarkeit im Vordergrund stehen, etwa im Finanz- oder Gesundheitsbereich;
- dieselben Inhalte über Web, App und API ausgespielt werden;
- Sie über fünf Jahre kalkulieren und die Gesamtkosten optimieren.
Headless CMS mit eigenem Frontend, wenn
- mehrere Artikel pro Woche erscheinen und die Seite trotzdem schnell bleiben muss;
- Redaktion und Entwicklung unabhängig voneinander arbeiten sollen;
- die Inhalte mehrsprachig sind und über mehrere Kanäle laufen.
Wie sieht das im Mittelstand konkret aus?
Drei Konstellationen, die uns in der Beratung regelmäßig begegnen. In allen dreien fällt die Entscheidung anders aus, und in keiner ist der Projektpreis der ausschlaggebende Punkt.
Steuerkanzlei mit sechs Beschäftigten
Ein bis zwei Fachbeiträge im Monat, gepflegt vom Büroleiter, Verkehr im niedrigen vierstelligen Bereich. Hier ist WordPress mit einem schlanken Theme richtig. Die Ladezeitverbesserung einer Eigenentwicklung würde bei diesem Volumen keine messbare Zahl an zusätzlichen Anfragen erzeugen, und die Redaktion soll ohne Entwickler funktionieren. Ein Wartungsvertrag mit festen Update-Terminen gehört allerdings dazu, sonst ist die Rechnung falsch.
B2B-SaaS mit 30 Beschäftigten und Wachstum über Inhalte
Fünf bis zehn neue Landingpages im Monat, zwei bis drei Beiträge pro Woche, organische Suche als Hauptkanal. WordPress startet günstig, wird aber ab dem zwölften Monat zum Engpass, weil Lighthouse-Werte, Plugin-Konflikte und die Geschwindigkeit beim Aufsetzen von A/B-Tests das Marketing ausbremsen. Next.js mit Headless CMS kostet am Anfang mehr Vorarbeit und zahlt sich über die Iterationsgeschwindigkeit zurück.
Maschinenbauer mit 80 Beschäftigten und Ersatzteilshop
Katalog, Konfigurator, Händlerportal und ein Shop mit Anbindung an das ERP. Der Start mit WooCommerce funktioniert, und ab einer gewissen Bestellmenge werden Cache-Schichten und Plugin-Kompatibilität zum Betriebsrisiko. Eine Headless-Architektur kostet im Aufbau deutlich mehr und gibt über fünf Jahre Luft nach oben, weil Shop und Portal getrennt weiterentwickelt werden können.
Der gemeinsame Nenner: die Frage lautet nicht, welche Technik besser ist, sondern wo Sie heute stehen und wohin Sie in drei bis fünf Jahren wollen.
Lässt sich eine bestehende WordPress-Website migrieren?
Ja, und in den meisten Fällen ist das der bessere Weg als ein kompletter Neustart. Texte, Bilder und Beiträge lassen sich exportieren, die Rankings tragen über eine vollständige 301-Weiterleitungskarte weiter. Neu gebaut werden das Frontend, das Design und alles, was heute in Plugins steckt.
Eine mittelgroße Unternehmensseite liegt bei 6 bis 10 Wochen und 2.100 bis 3.900 EUR. Kommen ein Kundenportal, ein Konfigurator oder eine ERP-Anbindung dazu, gilt das Band der Webanwendung ab 3.900 EUR. Wichtig ist die Reihenfolge: erst die URL-Struktur festlegen und die Weiterleitungen vollständig aufbauen, dann umschalten. Eine unvollständige Weiterleitungskarte ist der häufigste Grund, warum Migrationen als Rankingverlust in Erinnerung bleiben.
Zusammenfassung und häufige Fragen
11.334
neue Schwachstellen im WordPress-Ökosystem 2025, davon 91 % in Plugins
Patchstack, State of WordPress Security in 2026
8,4 %
mehr Conversions im Einzelhandel je 0,1 s schnellerer mobiler Ladezeit
Deloitte für Google, Milliseconds Make Millions
2–8 h
Wartungsaufwand je Monat bei WordPress, 1–3 h bei Eigenentwicklung
eigene Projekterfahrung
Ist WordPress 2026 noch eine sinnvolle Wahl?
Für redaktionsgetriebene Seiten ja. WordPress bleibt stark bei Blogs, Broschürenseiten und Projekten, in denen ein nicht technisches Team täglich Inhalte pflegt und schnell live gehen soll. Sobald Ladezeit, Angriffsfläche oder eigene Geschäftslogik den Ausschlag geben, verliert die Plattform ihren Vorteil.
Wie viel schneller ist eine individuell entwickelte Website?
In unseren Projekten liegt der Unterschied bei Faktor 3 bis 10 auf den Ladezeitkennzahlen. Statisch ausgelieferte Seiten erreichen 20 bis 80 ms TTFB und 95 bis 100 Lighthouse-Punkte, typische WordPress-Installationen 200 bis 800 ms und 40 bis 70 Punkte. Das Seitengewicht sinkt von 3 bis 5 MB auf 200 bis 500 KB. Diese Werte stammen aus eigenen Messungen, nicht aus einer repräsentativen Erhebung.
Ist eine Eigenentwicklung langfristig günstiger?
Häufig ja, aber nicht wegen des Projektpreises. Unsere Liste unterscheidet nicht nach CMS: eine Broschürenseite kostet 800 bis 2.100 EUR, eine Unternehmenswebsite 2.100 bis 3.900 EUR. Der Unterschied entsteht im Betrieb, bei Hosting, Plugin-Lizenzen und den Wartungsstunden pro Monat.
Wie viele WordPress-Sicherheitslücken werden pro Jahr gemeldet?
Patchstack zählt für 2025 insgesamt 11.334 neue Schwachstellen im WordPress-Ökosystem, 42 Prozent mehr als im Vorjahr. 91 Prozent entfielen auf Plugins, 9 Prozent auf Themes, sechs auf den Kern. 46 Prozent hatten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch keinen Patch. Der Kern selbst ist also selten das Problem.
Lässt sich eine bestehende WordPress-Website später migrieren?
Ja, und das ist oft der nächste Schritt statt eines Neustarts. Inhalte lassen sich exportieren, die Rankings tragen über eine vollständige 301-Weiterleitungskarte weiter. Eine mittelgroße Unternehmensseite liegt bei 6 bis 10 Wochen und 2.100 bis 3.900 EUR. Kommen Portal, Konfigurator oder eine ERP-Anbindung dazu, gilt das Band der Webanwendung ab 3.900 EUR.
Was ist ein Headless CMS und wann lohnt es sich?
Ein Headless CMS wie Strapi, Payload oder Sanity verwaltet Inhalte, während ein eigenes Frontend die Auslieferung übernimmt. Das lohnt sich bei mehrsprachigen Seiten, hoher Publikationsfrequenz und überall dort, wo Redaktion und Entwicklung parallel arbeiten müssen, ohne sich gegenseitig zu blockieren.
Gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz für meine Website?
Wenn Sie Verbrauchern gegenüber Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr erbringen, ja. § 1 Absatz 3 BFSG nennt E-Commerce ausdrücklich, maßgeblich ist der 28.06.2025. Für Produkte, die vor diesem Datum rechtmäßig im Einsatz waren, läuft eine Übergangsfrist bis zum 27.06.2030. Eine reine Imagewebsite ohne Vertragsabschluss fällt in der Regel nicht darunter.
Zählt WordPress mit Elementor oder Divi als Individualentwicklung?
Nein. Ein Page Builder erzeugt zusätzliches Markup und zusätzliche Skripte und verstärkt die Ladezeitprobleme, statt sie zu lösen. Wer Individualentwicklung auf Basis eines Builders anbietet, verkauft eine Theme- und Plugin-Konfiguration unter anderem Namen. Das kann für Ihr Projekt trotzdem richtig sein, sollte aber so benannt werden.
Wenn Sie unsicher sind, welcher Weg zu Ihrem Projekt passt: schicken Sie uns die bestehende Adresse und Ihren Planungshorizont über das Angebotsformular. Wir messen die Seite durch und sagen Ihnen, ob sich ein Wechsel rechnet. Wenn nicht, sagen wir das auch.
Quellen, abgerufen am 14.08.2026
- · W3Techs, Verbreitung von WordPress
- · Patchstack, State of WordPress Security in 2026 (25.02.2026)
- · Google Search Central, Page Experience und Core Web Vitals
- · Deloitte für Google, Milliseconds Make Millions (24.03.2020)
- · web.dev, Fallstudie Vodafone
- · WP Engine, Tarifübersicht, WPML und WP Rocket
- · Art. 28 DSGVO, Auftragsverarbeiter
- · BFSG § 1 und Richtlinie (EU) 2019/882
- · § 631 BGB und § 611 BGB
- · Bitkom Cloud Report 2026
- · AppForge-Preisliste und MNB-Mittelkurs